Was mich von vornherein an diesem Stoff fasziniert hat, ist seine Authentizität – in vielerlei Hinsicht. Zum einen stützt er sich in allen wesentlichen Details auf die Knastbiografie einer realen Figur, auf die des Millionenbetrügers Hans-Peter Streit, der in den Siebziger- und Achtzigerjahren sein Unwesen getrieben hat. Sein komplexer, widersprüchlicher Charakter, seine Zerrissenheit zwischen tiefer Reue und dem Bedürfnis, Verständnis für sich und sein Tun zu wecken, haben mich angespornt, ihm in Buch und Bild gerecht zu werden und seine Geschichte so wahrhaftig wie möglich zu erzählen. Die Geschichte eines talentierten Gefallsüchtigen, der um jeden Preis mehr sein will, als er ist und dabei immer ein bisschen bleibt, was er war: ein grosses Kind auf der Suche nach Liebe und Anerkennung.
Zum anderen ist «Der Fürsorger» eine Realsatire. Verrückt, aber wahr. Eine Posse aus der Schweizer Provinz über die Blindheit der Menschen im Angesicht des grossen Geldes, über Obrigkeitsgläubigkeit und den Zorn der Kleinen auf die Grossen. Eine rührende Liebesgeschichte auch, in der sich eine aufrichtige Frau in einen notorischen Betrüger verliebt, und dieser es wider Erwarten ehrlicher mit ihr meint als jeder Mann zuvor. Es sind diese persönlichen, zeitlosen Aspekte, die für mich die Seele des Stoffs ausmachen.
Dass der Film durch die jüngste Generation von Hasardeuren und Finanzjongleuren darüber hinaus an thematischer Aktualität gewonnen hat, scheint auf den ersten Blick zwar überraschend, ist aber nicht weiter verwunderlich: Die Madoffs, Ponzis, Behrings, Streits und wie sie auch alle heissen mögen – es gab sie schon immer und es wird sie auch in Zukunft weiterhin geben. Zumindest so lange, wie sich naive und gierige Anleger finden lassen. Mit anderen Worten: ewig.












