Der Millionenbetrüger Hans-Peter Streit
Die Lebenserinnerungen des «Fürsorgers» Hans-Peter Streit, die dem Film zugrunde liegen, wurden vom Journalisten Philipp Probst aufgezeichnet und sind 1994 beim Zytglogge-Verlag unter dem Titel, «Ich, der Millionenbetrüger ‚Dr. Alder’» erschienen. Zum Filmstart wird das Buch unter dem Titel «Der Fürsorger» als Reprint (mit Bildstreifen) neu aufgelegt.
Philipp Probst / Hans-Peter Streit: Der Fürsorger
Reprint der 1994 erschienenen Lebensbeichte «Ich, der Millionenbetrüger ‚Dr. Alder’», br., ca. 192 S. mit Fotos aus dem Film, CHF 25.- / Euro 16.- , ISBN 978-3-7296-0795-8, www.zytglogge.ch
Buchautor Philipp Probst über den Millionenbetrüger
Selbstgemalte Aktien einer frei erfundenen Firma mit exorbitanten Gewinnversprechungen: So einfach war Hans-Peter Streits Trick. Und er hat funktioniert. Immer und immer wieder. Bis Hans-Peter Streit schliesslich als Millionenbetrüger verhaftet wurde.
Dass Streit jahrelang Leute schamlos übers Ohr hauen konnte, lag nicht nur an seinem «Finanzsystem», das alles andere als raffiniert war, sondern eigentlich nur dreist. Auch nicht an der Geldgier seiner Opfer. Es lag einzig und alleine an ihm. Er erzählte den Leuten Geschichten. Lügengeschichten. Irgendwann war sein ganzes Leben nur noch eine Lüge.
Hans-Peter Streit konnte nicht nur gut reden, er konnte noch besser zuhören. So war er als Sozialarbeiter und Fürsorger eine beliebte und angesehene Persönlichkeit, hatte für alle und alles immer ein offenes Ohr. Auch später, als falscher Kinderpsychologe Dr. Claudius Alder, wurde er gerne und oft um Rat gefragt. Die Leute, ob in Lengnau, Zürich oder Adelboden, zählten auf ihn und offenbarten ihm ihre Sorgen. Und offerierten ihm, so nebenbei, ihr Vermögen für die wundersame Vermehrung.
Er nahm das Geld, verschenkte es teilweise an Bedürftige. Er stellte Leute an, weil sie ihm leid taten. Er hielt Lesungen aus einem Buch, das er nie geschrieben hatte. Er gab vor, für den Nobelpreis nominiert zu sein. Er trat als Pfarrer auf die Kanzel, gründete eine Familie, hatte mehrere Beziehungen zu Frauen, flog auf, wurde verhaftet, floh, dachte an Selbstmord und begann trotzdem wieder mit dem Lügen. Was Realität und was Lüge ist, war selbst für ihn manchmal kaum mehr voneinander zu unterscheiden. Echt war eigentlich nur seine Suche, seine Sucht nach Liebe und Anerkennung.
Er wusste, dass dieses Leben irgendwann definitiv im Gefängnis enden würde. Doch er staunte, dass er es so lange durchziehen konnte, dieses falsche, dieses verlogene Dasein. Hans-Peter Streit hat gebüsst. Heute führt er ein ganz normales Leben. Er geniesst die Ruhe. Ohne den Stress der Lüge.
Aber nicht alles aus jener Zeit ist vergangen und vergessen. Die Frau, die ihn auf der Flucht aufgenommen hatte und von ihm genauso angelogen wurde wie alle anderen Menschen – nur zu seinem Bernhardinerhund Mani war er ehrlich – blieb. Mit ihr hat er eine Familie. Und hat mit ihr die grosse Liebe entdeckt.












